wieder an die Ostsee – Haapsalu

nun haben wir uns von Tallinn verabschiedet, der Weg zurück nach Süden hat begonnen. Wir wollen möglichst viel an der Ostsee sein und, wenn es geht, auch mal ins Wasser springen (es ist aber recht kalt hier), und deswegen folgt heute eine recht kleine Etappe nach Haapsalu an der Westküste. Das ist ein kleines Seebad mit langer Tradition, im 19. Jahrhundert war es besonders bei den russischen Adligen incl. des Zaren Nikolaus II. beliebt, die hier gern sich erholten. Auch Peter Tschaikowski war hier und komponierte Teile seiner ersten Oper „Der Wojewode“, die allerdings keinen Erfolg hatte und die er wieder verbrannte.

Das klang alles so interessant, dass wir diesen kleinen Ort als nächste Station ausgesucht hatten. Nicht zuletzt spielte aber auch eine Rolle, dass ja vom 23. auf den 24. Juni überall in Estland ebenso wie im ganzen Baltikum und in Skandinavien die Mittsommernacht gefeiert wird und wir unbedingt so ein Fest miterleben wollten. In Tallinn würde es das natürlich auch geben, aber am Meer in einem kleinen Ort, das klang doch viel romantischer.

Wir haben ein Guest House gewählt und eine hervorragende Unterkunft mit viel Platz und mit eigener Sauna (!) erwischt. Die Ostsee ist mit einer Bucht 10m von der Grundstücksgrenze weg, die Möwen schreien unaufhörlich, weil sie auf einer kleinen Insel vor unserem Domizil wohl brüten, die Dohlen haben alle Gartenmöbel vollgeschissen, es ist richtig Natur, aber viel besser als der dauernde Großstadtlärm, dessetwegen wir nachts kein Fenster aufmachen konnten.

Guest House Guest House 2

Heute haben wir erste Klärungen gemacht, sind durch den Ort gebummelt, haben erste Eindrücke gesammelt,

Holzpaar Hasenskulptur

Eintrittskarten für das Mittsommerfest morgen in den Ruinen der uralten Bischofsburg besorgt, wollten auch an den Paralepa-Strand, für den Haapsalu bekannt ist, aber da war kein Mensch, denn es war wegen des starken Windes trotz des Sonnenscheins nicht auszuhalten. Vielleicht probieren wir es morgen noch mal.

Wasser Haapsalu

zur Erläuterung: vesi = Wasser, õhk = Luft (da hätten wir uns ja im Wasser wärmen können!). Eine kleine Enttäuschung mußten wir auch schon hinnehmen: wegen der Mittsommerfeste (Feiertag!!) sind die Museen geschlossen, und leider auch das über die Geschichte der „Estland-Schweden“ (schwedische Siedler an der estnischen Westküste und besonders auch in Haapsalu, die bis 1944 dort lebten).

Und das „Lace Zentum“ hätten wir gern gesehen. Die Fauen in den baltischen Länder haben ihre traditionellen handwerklichen Fertigkeiten immer gepflegt. In Haapsalu wurden mit besonders dünnem Wollgarn feinste Schals und Tücher gestrickt; so fein, dass das fertige Teil durch den Ehering gezogen werden konnte. Zuerst sahen sie Tücher (Spitzenschals aus Orenburg) bei den russischen Frauen des Adels die zur Kur in den Badeort kamen auch der deutsche Adel war hier. Die einheimischen Frauen verdienten sich ein Zubrot mit dem Nachstricken und Verkauf der Tücher an die Fremden. Der so entstandene Markt veranlasste die Frauen, ihre Produkte immer weiter zu verfeinern und zu modifizieren und ihre Fähigkeiten zu perfektionieren. In der sowjetischen Zeit wurden die Rohmaterialien zur Mangelware, denn die Schafhaltung wurde (zwangsweise) zugunsten anderer Industriezweige aufgegeben. Gestrickt wurde aber immer weiter. Nach 1991 konnte wieder an die alte Zeit angeknüpft werden. 2009 (?) erschien ein erstes Buch  „The Haapalu Shawl“ mit Strickmustern dieser feinen Schals schnell auch in englischer Übersetzung. So wurden die Muster über die strickende Internetgemeinde und ihre Foren wie Ravelry weltbekannt. Ich kenne diese „Lace-Schals“ und habe mich schon vergeblich bemüht, sie nachzuarbeiten. Dass insbesondere Haapsula als spezialisiert auf diese Schals und Tücher gilt, hatte ich nicht gewußt und erst in der örtlichen  Verkaufstelle für selbstgemachte Handarbeiten und dann nach Recherche im Internet begriffen. In dieser örtlichen Verkaufstelle konnte ich die Schals schon mal bewundern und auch die vielen, vielen handgestrickten Handschuhe und Socken.

Happ Hand 2 Happ hand 1

Fast immer sind in Tallinn und sonstwo in Estland in den touristischen Zentren die angebotenen Strickwaren industriell hergestellt und haben nur noch wenig mit den alten Handwerken zutun. Das gilt übrigens auch für Produkte aus Leinen. Ich mochte davon bislang nichts kaufen.

Leider ist in Haapsalu nun alles geschlossen und ich konnte nur die Tücher im Schaufenster fotografieren. Hier gibt es aber eine Video über die Tradition.

Happ Lace 3 Haap Lace 2 Haap Lace 1

Ich kann sehr gut verstehen, dass die estnischen Frauen an ihrem wichtigen Feiertag ihre Handarbeitsmuseen und Läden schließen, aber schade ist es doch. So muss ich mit enthusiastischen Berichten über das Museum und Treffen mit den örtlichen Strickfrauen vorlieb nehmen. Wockensolle ist so ein Blog, in dem vielfach über die baltischen Strickmeisterinnen speziell auch aus Haapsalu berichtet wird. Hier gibt es auch viele Bilder zu den Schals/Tüchern und dem Zentrum.  Ich (Mechthild) werde mir Garn und Anleitung besorgen und es noch mal mit der Lace-Produktion versuchen.

Vermutlich / hoffentlich werde ich beim großen Fest zu Mittsommer Tücher und Socken getragen anschauen können. Ich freue mich darauf.

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Karl Verfasst von:

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