Stari Bar und Bar

bei eingetrübtem Wetter und dann auch zeitweisem leichten Regen machen wir heute einen kleinen Ausflug ins benachbarte Bar, der wichtigsten Hafenstadt von Montenegro. Es gibt das alte (stari) Bar und die neue Stadt, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde.

Stari Bar liegt am Hang des Gebirges Rumija und ist über eine gute Schlängelstrasse zu erreichen. Es hat eine sehr wechselvolle Geschichte. Vom Beginn wohl im 7. oder 8. Jahrhundert haben alle möglichen Völker und Herrscher sich hier abgewechselt: Byzanz, Serbien (erstes Königreich im 12. Jahrhundert), Venezianer, Osmanen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Bar dem Fürstentum Montenegro zugesprochen und dann auch die neue Stadt am Meer entwickelt und aufgebaut.

Die wechselvolle Geschichte läßt sich z.B. gut an dieser Kirche verdeutlichen:

Kirche Bar

Gebaut als  Kirche eines Klosters der Franziskaner, Ende des 13. Jh,,   dann im 16. Jh. von den Osmanen übernommen und als Moschee umgebaut, im 20 Jh. als Munitionslager genutzt und bei einer Explosion zerstört.

Reste des Gebäudes sind noch zu besichtigen. Auch einige Fresken aus der christlichen Zeit sind noch da. Im 21. Jh. haben unbekannte Künstler eigene Interpretationen an die Wände der Ruine angebracht.

 

Freske Bar 1 moderne Freske Bar 1moderne Freske Bar

Das alte Bar ist weitgehend zerstört, es finden sich viele Ruinen aber auch noch gut erhaltene oder restaurierte Teile. Neben den kriegerischen Auseinandersetzungen spielte dabei auch eine Rolle, dass auf der Festung Pulver und Munition gelagert wurde, und sowohl 1881 als auch 1912 flogen die Pulverkammern in die Luft und zerstörten sehr viel. Im Gebiet der Festung wird sehr viel geforscht und restauriert, und Staat und Stadt haben den Anspruch, das Gelände zu einem „Labor“ zu machen, in dem Forschungsarbeit geleistet wird.

Festung Festung Karl

 

Auf der gut erhaltenen Festungsmauer hoch über allem langzugehen und in die Umgebung zu schauen, ist phantastisch! Und Karl ist wieder vollständig gesund. Die hohen Berge des Rumija-Gebirges sind ganz nahe, und in der Ferne war sogar der Hafen des neuen Bar zu sehen und ein bißchen Adria.

Venedig Festung ottomanisch

Als wir uns der der intakten St. Veneranda-Kirche aus dem 15. Jahrhundert näherten, hörten wir aus dem Gebäude wunderbaren getragenen Gesang; es klang, als wenn eine sakrale Handlung begangen wurde, und wir hatten beide eine Scheu, wirklich einzutreten. Was wir sahen, war überraschend: zwei Frauen blickten hoch zur Empore und dort standen ihre beiden Männer und sangen. Die Akustik des alten Raumes war beeindruckend. Wir erfuhren dann, dass es finnische Touristen waren; die beiden Männer waren Mitglieder eines Chores und konnten zweistimmig in der Atmosphäre dieser Kirche perfekt etwas intonieren. Ein sehr beeindruckendes Erlebnis.

Festung3 Festung2

Wenige Menschen waren in Stari Bar unterwegs. Bei einer Pause auf einer Bank hoch oben hörten wir den Tieren der Stadt zu: Hähne krähten, Hunde bellten und ein Esel schrie. Und über allem schwebt ganz dezent der Duft der blühenden Orangenbäume. Im Sommer könnten wir das so nicht erleben. Dann ist dies ein trubeliger Ausflugsort. Allerdings konnten wir auch keine regionalen Handwerksprodukte von heimischen Handwerkern und Bauern kaufen. Alle Stände und Cafes waren noch geschlossen.

zu Bar

Deshalb fuhren wir dann ins neue Bar, wollten eventuell dort etwas essen oder zumindest einen Kaffee trinken. Wir landeten beim Hafen in der Nähe der Stelle, wo die Fähren losfahren, parkten ohne Parkgebühren irgendwo und gingen dann zu einem von weitem sichtbaren Monstrum von ehemals sozialistischer Architektur, einem Kaufhaus, jetzt ein Rummelplatz von Billigläden. Da es jetzt regnete, haben wir unseren Kaffee eben dort getrunken.

neues Bar

Abends gingen wir dann nicht mehr wie eigentlich geplant in die Stadt, um dort etwas zu essen, sondern blieben im Hotel, weil es heftig gewitterte und regnete. Alle Sonnenschirme wurden blitzschnell (offensichtlich mit viel Übung) umgelegt und es regnete so sehr, dass das Wasser unter den großen Scheiben hindurch in den Speisesaal lief.

Sturm in Bar

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Karl Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. Christine
    24. April 2016
    Antworten

    Ihr Lieben,
    Bei uns spielt das Wetter auch verrückt! Es graupelt, schneit, ist unter Null und dann wieder sehr schön!
    Sehr schönes Bild von Dir, Karl!

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