Liegnitzer Bomben aus Westerkappeln und Bunzlauer Steingut von überall

Unser nächstes grösseres Ziel ist die polnische Ostseeküste, vorher treiben wir uns aber noch ein wenig an der Deutsch/Polnischen Grenze herum. Uns interessieren dabei die Orte, die durch die  Oder/Neißegrenze 1945 brutal zerschnitten wurden. Görlitz/Zgorzelec ist vollständig ausgebucht übers lange Wochenende (Vatertag!) und Bad Muskau (wo nur der Park des Fürsten Pückler geteilt wurde) auch. Wir müssen uns umorientieren und bleiben eine Nacht in Bunzlau/Bolesławiec. Das ist der Ort mit der weltbekannten Keramik, der sog. polish pottery. Und für einen kurzen Aufenthalt zur Mittagszeit suchen wir uns Liegnitz/Legnica aus, Liegnitz wie das alte Weihnachtsgebäck Liegnitzer Bombe. So eine könnten wir da doch gut essen. So der Plan.

Liegnitz ist eine nette alte Stadt mit etwas über 100.000 Ew. und sogar einer Universität. Der große Markt fällt uns durch seine großen dunklen Backsteinbauten auf. Die Kathedrale ist nach einem Umbau 1894 mit rotem dunklem Backstein verblendet worden und auch die großen Bürgerhäuser nebenan haben diese Farbe. Das riesige „neue“ Rathaus ist dagegen ganz hell.

Liegnitz 1

Wir schlendern durch die Altstadt, schauen uns die älteren Gebäude an, entdecken die Heringsbuden,

Liegnitz Buergermietshauser Liegnitz Heringsbuden

 

das Haus zum Wachtelkorb,

Liegnitz Wachtelkorb

das alte Denkmal für die polnisch russische Freundschaft, dass abgebrochen werden soll, entdecken auch, dass eine der Partnerstädte Wuppertal ist.

Liegnitz Wuppertal

Liebe Wuppertaler, das ist schon eure zweite Partnerstadt, die wir in diesem Urlaub besuchen. Wieviele habt ihr denn noch?

Eigentlich suchen wir aber ein Kaffee mit Liegnitzer Bomben. Keine da. Wir spähen in die Theken, wir hoffen auf ein Schild draußen, wir finden keine Liegnitzer Bomben. In einem neu renovierten Cafe bekommen wir dann aber sehr schöne frische Kuchen

Liegnitz Kuchen

und schauen auch dem Konditor bei seiner Produktion zu. Das weltberühmte traditionelle Gebäck gibt es da aber nicht.

Liegnitz Kon 1 Liegnitz Kon 2 Liegnitz Kon 3

Später, als ich wieder Internet habe, lerne ich bei Wikipedia, Liegnitzer Bomben gibt es nicht mehr in Liegnitz. Die alten deutschen Konditoren haben das Rezept mitgenommen, als sie vertrieben wurden. Nur noch ein Konditor (aus einer Familie, die aus Schlesien vertrieben wurde) backte zuerst in Tecklenburg, jetzt in WESTERKAPPELN diese Teile und verschickt sie in die Welt. Westerkappeln ist ein Ort neben meinem Geburtsort und  ganz in der Nähe habe ich ein Ferienhaus. Den Konditor kenne ich sehr gut. Als Schülerin auf dem Gymnasium in Tecklenburg habe ich da manchmal mit Freunden gesessen. Und jedes Jahr fahre ich mit meinem Bruder an der Produktionsstätte vorbei und nehme mir vor in dem Fabrikverkauf mal einzukaufen. Ist das nicht eine verrückte Geschichte?

Nun, ich glaube an dieser Stelle der freien Online-Enzyklopädie nicht. Es werden sicher noch irgendwo in Liegnitz Bomben gebacken. Wir haben sie nur nicht gefunden, aber sicher ist auch, dass die Stadt mit diesem Gebäck der deutschen Handwerker keinen Profit schlägt. Ich spekuliere mit Karl, dass das mit der „Polonisierung“ , der Inbesitznahme ehemals deutschen Gemeinden durch die neuen meist polnischen Einwohner (siehe Bericht von gestern und insbesondere unsere Links im Text)  zu tun haben kann. Die Geschichte zeigt auch, dass mit Flucht und Vertreibung jahrhundertealte Traditionen und Handwerke zerstört worden sind. Kann ein Kuchenteilchen, das in Westfalen hergestellt wird, noch unter dem Namen Liegnitzer Bombe verkauft werden? Was wird, wenn es einen Streit bei der EU mit Liegnitzer Bäckern gibt, die dieses Gebäck neu auflegen? Bei einer längeren Autofahrt läßt sich darüber ausführlich nachdenken.

Es geht nämlich nach Bunzlau. Und da gibt es eine ganz ähnliche Geschichte. Bunzlau ist weltbekannt für sein haltbares Steingutgeschirr. Heute sind die bunten Dekore bekannter. Ich kenne aber auch noch die braunen Kaffee- und Teekannen mit dem geometrischen Spritzdekor.

Viele Töpfer aus dieser Stadt sind vertrieben worden und führten an den neuen Wohnorten ihre alte Tätigkeit mit den traditionellen Dekoren weiter fort. So ist es möglich, Steingut nach Bunzlauer Art aus Ludwigsburg, dem Westerwald, der Oberlausitz und anderen Orten  zu kaufen. In Bunzlau selber wird aber weiter produziert. Ich habe einige schöne Auflaufformen von polnischen Gästen geschenkt bekommen und nütze sie sehr gerne. Während des Sozialismus gab es in der Stadt eine große Fabrik, inzwischen arbeiten wieder mehrere Manufakturen am Ort. Aber auch hier war es für uns zunächst schwierig, Geschäfte zu finden. In der Bunzlauer Altstadt zumindest gab es nichts. Ich hatte mir eigentlich, ähnlich wie z.B. im Elsass in Soufflenheim, so vorgestellt, dass ein Laden neben dem anderen sein Zeug anbietet. Gar nicht, wir sind aus der Altstadt raus in ein Industriegebiet gegangen um zumindest zwei Fabrikverkäufe zu finden.  Dabei sind wir dann aber an einem Kreisverkehr mit  wegweisender Dekoration vorbei gekommen.

Bunzlau Kreisverkehr

Hier gibt es noch Entwicklungsbedarf. Es muss ja nicht so penetrant wie im Elsass werden. Die Altstadt jedenfalls ist ist ganz hübsch und beim jährlichen Töpfermarkt soll der „Teufel“ los sein.

Bunslau 2

Hier noch ein paar Bilder der Skulpturen aus unserem Bunzlauer Hotel:

Bunzlau 4Bunzlau 3

 

 

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Mechthild Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. Klaus
    Juni 5
    Antworten

    Hallo Bökis, habe gerade den Beitrag über Bunzlau gelesen, Renate und ich waren im Dezember dort und haben das Wohnhaus von meiner Mutter besichtigt. Wieder mal tolle Berichte, die Ihr so schreibt! Viel Spaß noch und liebe Grüße von Klaus und Renate

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