Belgrad spontan

Immer noch bewölkt, ganz selten etwas Regen. Trotzdem habe ich mein kleines Tief überwunden. Karl will auf die Festung der Stadt, ich möchte diese „Grundmauern“ nicht unbedingt sehen. Einer unserer Reiseführer sagt, dass keiner vom wunderbaren Blick auf die Donau und die Save unbeberührt bleibt. Nun gut, dann also Emotionen. Ich finde beim Rumsuchen im Internet den Hinweis auf das Museum der Geschichte Jugoslaviens. Das interessiert uns beide und wird unser erstes Ziel heute. Das Taxi bringt uns hin.

Museum der Geschichte Jugoslaviens

Belgrad Museum jugo
Das riesige Gebäude wurde  gebaut, um dort die vielen Geschenke auszustellen, die Tito während seiner Amtszeit erhielt. In den letzten zwei Lebensjahren hat er auch auf dem Gelände gewohnt und ist dann dort unter einem Marmorblock von 9 Tonnen bestattet worden im „Kuća cveća“, Haus der Blumen. Hier sind auch eine Vielzahl von Stafetten ausgestellt, die ihm jeweils am 25. Mai, seinem Geburtstag (?) überreicht wurden. Hier ist der Kult um seine Person noch lebendig. In einem Kinosaal wird ein Film über Tito gezeigt, der schon sehr penetrant ihn verherrlicht. Im größeren Haus nebenan, dem „Museum des 25. Mai“, wird in Sonderausstellungen auf bestimmte Aspekte des vergangenen Jugoslavien eingegangen. Wir sehen die Sonderausstellung

To Be a Falcon Is to Be a Yugoslav

To be a falkon Falke Belgrad

 

Soko, Falke, so heißt der Sport- und Kulturbund, der 1862 in Prag gegründet wurde und  sich schnell auf andere slavische Länder ausbreitete. Folklore, große Sportfeste, Filmprojekte und eigene Gebäude der Vereine trugen zur Festigung nationalen Gedankenguts bei. Ist es ein Zufall, dass auch die sozialistische Jugend Deutschland, erste Vorläufer gründeten sich 1904, den Falken als Symbol wählten? Ich weiß darüber nichts, werde aber die Freundinnen und Freunde zuhause danach fragen. Oder gibt es schon unter den Lesern jemanden, der das weiß?

Die zweite Ausstellung ist betitelt

Design for a New World

Die neue sozialistische Gesellschaftsordnung brauchte neue Symbole, neue Verpackungen, neues Design. Unter verschiedenen Oberthemen werden  jugoslavische Plakate, Reklamen und Produktverpackungen von 1970 bis 1980 gezeigt.

New Design New design 2 New Design 1

 

11 feuerbach

Wir hatten in dem Museum auf gründlichere Informationen über Jugoslavien gehofft und auf eine kritische Auseinandersetzung mit ihrem Führer Tito. Ein drittes Haus, das alte Museum, ist leider geschlossen, weil die Ausstellung dort neu gestaltet wird, mit mehr Distanz zur Geschichte vielleicht? Wie weit die Aufarbeitung der sozialistischen Vergangenheit schon gelungen hat, ist uns unklar. Hier sehen wir davon nicht viel.  Immer noch kommen Briefe und Grüße an Tito an. Viele Veteranen leben noch und die alte Zeit scheint verklärt sich für einige. Außerhalb des Museums hat man aber einen weiten Blick über die Stadt.

 

Festung der Stadt

Festung Belgrad

Unsere nächste Station war der noch früheren Geschichte von Serbien gewidmet. Wir sind dann, wieder mit einem Taxi, auf die Festung gefahren. Weiter Blick auf die Mündung der Save in die Donau und die Donauinsel vor der Mündung. Hier sind übrigens im 2. Weltkrieg die Juden der Stadt kaserniert und ermordet worden. Jeder sollte es von der Festung aus sehen können.

Blick von Festung 1Blick von Festung 2

Aber ist ist kalt und zugig da oben und das militärische Zeug, das oben ausgestellt ist, zieht uns nicht sehr an. Aber der Blick auf die beiden Flüsse ist großartig.

Militaermuseum Belgrad

 

Wir gehen lieber etwas essen und trinken. Vor einigen Tagen hatten wir hier draußen keinen Platz bekommen.

Garten Manufaktura Belgrad

Jetzt am Sonntag Mittag finden wir drinnen einen Tisch in dem modernen Lokal Manufaktura

Manufaktura BelgradManu Belgrad 3 Manu Belgrad Manu. Belgrad

Ein sehr modernes Lokal, dass sich der lokalen serbischen Küche verpflichtet fühlt. Das Essen ist auch wirklich prima. Und den Pflaumenschnaps gibt es gekühlt in kleinen „Medizinkolben“, die Kuchenförmchen eisgekühlt werden. Sehr zufrieden machen wir uns auf den Weg zum Nationalmuseum. Ob wir dort verstehen können, was die Slaven sind und wo sie herkamen?

Auf dem Weg dorthin begegnet uns ein Schild, das auf das

Zeptermuseum

hinweist. Zepter? Was ist denn das? Moderne serbische Kunst! Da wir an diesem Tag sowiso unseren spontanen Impulsen folgen, gehen wir hinein. Heute zahlen wir keinen Eintritt. Unglaublich! Das erste private Museum des Landes, 2010 eröffnet. Zepter ist ein international tätiger Konzern in Familienbesitz, der in Belgrad heimisch ist. Das Besitzerehepaar hat offensichtlich sehr viel Geld investiert in diese private Sammlung. Womit die Zepters ihr Geld verdient haben, will uns die Führerin bzw. Aufseherin nicht verraten.

Zepterhaus 2 Zepterhaus 1

Um der modernen Kunst einen passenden Rahmen zu geben, wurde ein Bankgebäude aus den 20er Jahren umgebaut. Viel schwarzer und weißer Marmor, schöne Treppenhäuser, ein beeindruckendes Gebäude für die ebenso beeindruckende Austellung.

Zepter 1 Zepter 2 Zepter 3 Zepter 4

 

Wenn jemand die Namen der Künstler wissen will, dann liefere ich das gerne nach. Die Holzskulptur hat der Künstler „Who pulls my strings“ benannt.

Das Nationalmuseum haben wir dann ausgelassen (es war auch schon zu).

Auf dem Weg zum Appartement sind wir aber am Nationaltheater vorbeigekommen. Eine kleine Schlange zeigte uns, dass gerade Karten verkauft wurden. Am Abend gab es Ballett, den Nussknacker von Tschaikowski. Nun ist Ballett in jeder Sprache verständlich. Also habe ich für 2000 Dinar (d.h. 2 mal 8,00 €!) Superkarten in der ersten Reihe der Galerie gekauft und so hatten wir noch spontan einen schönen Abend. Ich kannte die Musik, hatte das Ballett aber noch nie gesehen. Es hat mir ganz gut gefallen. Leichte Kost am Ende eines vollen Tages. Und die Atmosphäre war besonders. Viele kleine Kinder (vorwiegend Mädchen) waren unter den Zuschauern. Lauter kleine Tanzschüler und -schülerinnen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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