Mittlere Slowakei

nach einem Abschiedsgruss an die Donau, die wir jetzt auf unseren Fahrten nicht mehr treffen werden, geht es ruhig gen Norden in die Mittlerei Slowakei, erst nahe der Grenze zu Ungarn, dann in Richtung Niedere Tatra, deren schneebedeckte Gipfel auch in der Ferne auftauchen, als wir uns dem ersten Ziel, Banská Bystrica, nähern. Wir hatten uns entschlossen, erst hierhin zu fahren, weil wir recht früh dran waren und in der nächsten Unterkunft in Banská Štiavnica auch wieder erst ab 14.00 Uhr einchecken konnten. Außerdem war nicht klar, ob wir das Museum Slovenského národného povstania (SNP) heute, an einem Montag, besuchen konnten, in dem der slowakische Nationalaufstand gegen die deutsche Besatzung im Jahre 1944 dokumentiert wird. Da aber auch Nationalfeiertag war – der 72. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs – war alles kein Problem.

Banská Bystrica war ab dem 13. Jahrhundert eine aufstrebende und dann reiche Stadt durch den Abbau von Silber und Kupfer. Es waren Bergleute aus Sachsen und Thüringen, die hierhin geholt wurden und den Bergbau entwickelten. Ein Unternehmer namens Jakob Thurzo kaufte alle Kupferminen auf und entwickelte dann in Kooperation mit den Augsburger Fugger-Bankiers ein großes Unternehmen, was dann im 16. Jahrhundert ganz von den Fuggern übernommen wurde. Die Bergbautradition ist längst vorbei, am alten grandiosen Marktplatz, der in der Sonne schon italienisch wirkte, kann man die prachtvoll restaurierten Renaissance-Häuser aus dieser Zeit noch bewundern.

Bystica

Im Zweiten Weltkrieg war die slowakische Bevölkerung offensichtlich zweigeteilt: es gab eine Gruppe, die mit den Nazis sympathisierte, ein ähnlich totalitäres Regime aufbaute und auch von sich aus aktiv die Deportation von Juden in die deutschen KZ betrieb, während eine andere Gruppe ab 1943 den Widerstand aufbaute, der dann ab 1944 auch zum bewaffneten Kampf mit der deutschen Wehrmacht führte. Banská Bystrica war dabei das Zentrum dieses Aufstands, der mit sehr schweren Verlusten der slowakischen Einheiten einherging, bis die Rote Armee Ende 1944 kam.

Das SNP-Museum, ein sehr moderner Betonbau, wirkt wie ein zerbrochenes Herz und soll so die Zweiteilung in der Bevölkerung symbolisieren. Die Ausstellung selbst war für mich nicht sehr ergiebig, alle Säle waren voll von miliärischem Gerät, Uniformen, Orden, Pistolen, Gewehre, Maschinengewehre. Auf den begleitenden Informationsbildschirmen mit der Beschreibung der Phasen der Geschichte der Slowakei in der Zeit etwa ab 1933 bis 1950 gab es immerhin englische Übersetzungen. Erst hier konnte ich dann auch sehen, dass nach Kriegsende die Auseinandersetzungen weitergingen und z.B. Widerstandskämpfer verfolgt und inhaftiert wurden.

SNP SNP3

Nach dem Museumsbesuch waren wir auf dem Marktplatz, genossen die fast sommerliche und südländische Stimmung,

Bystica

konnten aber auch noch beobachten, dass am Denkmal für in den letzten Kriegstagen hier gefallene Soldaten der Roten Armee Kränze niedergelegt wurden von meist jüngeren Leuten, die Photos wohl dieser Soldaten vor sich her trugen. Die Erinnerung an den Krieg, den Aufstand, die Leiden wird wohl immer noch wachgehalten. Im Vergleich zu dieser Kranzniederlegungsszene wirkte allerdings das Bild vor dem Museum sehr relativierend, wo viele Kinder auf den aufgestellten Geschützen und Panzern herumkletterten und -spielten.

SNP2 Russen

Dann fuhren wir weiter nach Banská Štiavnica, wo wir uns ja in der Penzion Nostalgia eingemietet hatten. Erster Spaziergang in der noch warmen Sonne durch die Bergbaustadt, erster Besuch des Antiquariats, erstes Abendessen in einem Restaurant mit angeschlossener Brauerei. Perfekt!

ErbBranska St Ansichten 2

Im SNP Museum habe ich mir dann noch diesen offenen Mercedes 170 V angeschaut.
Lieber kleiner Bruder, so einer wäre doch auch noch mal was, fährt aber nur 90 kmh.

Mercedes Info MercedesSNP

 

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Karl Verfasst von:

2 Kommentare

  1. 9. Mai 2017
    Antworten

    Liebe Schwester, Vorkriegsautos wie diser MB 170 sind oft schön aber selten Alltagstauglich. Meinen „Puppenfänger“ Bj 1982 stelle ich lieblos am Ende des Jahres in die Garage und trotzdem springt er 5 Monate später ohne Zicken an und läuft tadellos. Ein Kriterium das ich sehr zu schätzen weiß. Weiterhin eine tolle Reise im MB wünsche ich Euch. m

  2. 9. Mai 2017
    Antworten

    Liebe Schwester, Vorkriegsautos wie diser MB 170 sind oft schön aber selten Alltagstauglich. Meinen „Puppenfänger“ Bj 1982 stelle ich lieblos am Ende des Jahres in die Garage und trotzdem springt er 5 Monate später ohne Zicken an und läuft tadellos. Ein Kriterium das ich sehr zu schätzen weiß. Weiterhin eine tolle Reise im MB wünsche ich Euch. m
    P.S. 3 Bilder sind nicht zu sehen.( Marktplatz, Russen und Stiavnica4)

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