immer dieses viele Gold……

das kommt von Mechthild, die heute nicht mit mir zum Peterhof fahren wollte. Sie hat ja recht: dieser zaristische Prunk hat auch bei mir heute den Zwiespalt verstärkt, den ich schon die ganzen Tage spürte. Einerseits finde ich es faszinierend und beeindruckend, was menschliche Phantasie, Gestaltungs- und Innovationskraft herstellen kann (wenn keine finanziellen Beschränkungen bestehen), andererseits weiß ich auch jetzt hier in Petersburg, dass der Reichtum der Zarendynasie (und natürlich auch der russischen Adelshäuser) auf der unglaublichen Arbeit der russischen Bauern und Arbeiter beruhte, und dass Zigtausende von Menschen ihr Leben ließen, als sie gezwungen waren, diese Schlösser und Paläste aus dem Sumpf zu errichten.

Trrotzdem fuhr ich heute noch mal nach Peterhof, der Sommerresidenz von Peter dem Großen, die dieser Anfang des 18. Jahrhunderts erbauen ließ. Ich war hier schon einmal während einer Moskau-Leningrad-Fortbildungsreise, organisiert von der Hessischen Ärztekammer, im Jahre 1974. Damals waren wir mit dem Bus unterwegs, heute nahm ich das Schnellboot von der Admiralität.

Auf der wirklich recht schnellen Fahrt über die Kleine Newa (Malaja Newa) ist mir in Erinnerung, dass wir an der extra für die bevorstehende Fußball-WM neu erbauten Arena vorbeikamen (nach meinem Eindruck war auch um das Stadion selbst alles mögliche neu erbaut worden incl. einer modernen Brücke). Das Krestowskij-Stadion faßt knapp 70.000 Zuschauer und wird Schauplatz von 7 Spielen sein. Es ist wohl eins der modernsten Stadien der Welt mit allem möglichen Schnickschnack, Kosten knapp 1 Milliarde €

Vielleicht ist das die moderne Fassung der Prunkbauten für den Bürger und nicht mehr für den Adel. In Peterhof jedenfalls jedenfalls habe ich dann nach der Ankunft auch noch 900 Rub. bezahlt, um überhaupt den Park betreten zu dürfen, weitere Gebühren für den Palast oder diverse Pavillons habe ich gespart. Die vergoldeten Figuren und wasserspeienden Statuen habe ich jedenfalls auch teilweise photographiert, damit ihr Leser das auch glaubt, dass ich hier war.

Das Ganze kam mir viel kommerzialisierter vor als ich es in Erinnerung hatte, viel touristischer, aber damals war es ja auch noch kein Weltkulturerbe. Die Anlage ist grandios, ohne Zweifel, man muss sie mal gesehen haben:

So als kleiner Kontrast noch dieser Bericht: auf den Schnellbooten war bei Hin- und Rückfahrt plötzlich eine ältere Frau in Aktion, die alles mögliche zum Verkauf anbot: Kalender, DVD, Quartett-Spiele, Regen- bzw. Sonnenschirme, alles mit Verweis auf Sankt Petersburg bzw. auch Russland. Ein Putinkalender war aber nicht dabei. Ein bißchen verkauften sie auch und verbesserten ihre finanzielle Lage

 

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