abends am Ladogasee

heute ging es durch das Gebiet nördlich von Wyborg in Richtung Ladogasee. Kurz nach der Stadt gibt es eine Polizeikontrolle: der junge Polizist erklärt uns, dass wir ja ins finnisch-russische Grenzgebiet kommen und wohin wir denn wollten. Als wir ihm alles erklärt haben und die Pässe für in Ordnung befunden waren, telefonierte er noch mit irgendeiner höheren Stelle und wir durften weiter. „Nice to meet you! Auf Wiedersehen!“ waren seine Abschiedsworte.

Das Gebiet war oft finnisch, was man an den Ortsnamen oft noch erkennen kann. Z.B. sind Miinala, Elisenvaara, Väätikä ziemlich eindeutig finnische Namen, die jetzt nur „kyrillisiert“ worden sind. Die Strecke ist meist gut in Schuß, immer wieder aber auch unterbrochen durch kilometerlange unbefestigte Schotterstrecken, auf denen jedes Fahrzeug eine Unmenge Staub erzeugt.

Als wir dann quer durchs Land gefahren sind und bei Priozersk an den Ladogasee kommen, sind wir auf der wichtigen Strasse von Sankt Petersburg Richtung Norden. Großenteils ist diese schon mehrspurig ausgebaut, jetzt auf dem Abschnitt, den wir anpacken, in weiten Teilen Baustelle. Riesige Erdmengen müssen bewegt und gewaltige Schneisen durch den Wald geschlagen werden. Die Baustellen werden dabei oft von „menschlichen Ampeln“ reguliert, d.h. an beiden Enden steht ein Arbeiter mit Signalfahne, und beide kommunizieren über Telefon.

Unsere russische Navi-Karte kennt die meisten fertigen Teile noch nicht, meint, wir würden auf einer unbefestigten Strasse fahren und will uns dauernd in die Wildnis locken. Dank einer sehr guten und aktuellen (finnischen) Landkarte ignorieren wir diese Aufforderungen.

Plötzlich kommt vor uns das strassenüberspannende Schild, dass wir jetzt die Republik Karelien erreicht haben! Das war mir gar nicht klar, und Mechthild klärt mich noch mal darüber auf, dass die Russische Föderation ja über 80 „Föderationssubjekte“ (heißt wirklich so) hat und darunter 21 Republiken. Die Zentralregierung in Moskau und der Staatspräsident haben natürlich das Sagen.

Dann erreichen wir nach über 4 Std. Fahrt (bei 250km Strecke) das Städtchen Sortavala, wo wir dann auch unser „Chalet“ finden. Die Adresse kannte kein Navi, aber mit Eingabe der Koordinaten war es dann kein Problem, sich aus dem Hauptort herauszuschlängeln, kurven- und schlaglochreiche Strassen zu überwinden, eine abenteuerliche Brücke zu überqueren

und dann das Haus zu finden, wo uns eine sehr nettes älteres Ehepaar empfing, das auch auf dem Gelände am See wohnt.

Das Häuschen ist schlicht, liegt nah am See, der über einen eigenen Steg erreichbar ist, das Wasser ist aber noch zu kalt. Abends scheint die Sonne auf unseren Balkon, mit russischem Käse und Rotwein von der Krim genießen wir den Abend. Die Sonne geht da unter, wo etwa St. Petersburg liegt, im Wald zwitschern Vögel, in der Ferne ist ein Kuckuck aktiv, das Wasser ist nur leicht gekräuselt – ach wie schön!

dies Foto wurde gegen 22:45 aufgenommen, dieses ist von 02:50 Uhr (alles Petersburger Zeit), also ca. 1 1/2 Std, vor Sonnenaufgang. Weiße Nächte!

 

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