von Narva nach Novgorod

gestern haben wir Zeit bis zum Grenzübertritt noch zu einem Besuch der nach den schweren Kriegsschäden wieder restaurierten Hermanns-Festung genutzt, die direkt an der Narva liegt, praktisch einen Steinwurf gegenüber von der russischen Stadt Ivangorod, die noch eine größere Festung hat.

Von oben konnte man auf die einzige Brücke sehen, die jetzt faktisch zur Grenze gehört: links sind die estnischen und rechts die russischen Grenzer, und auf der Brücke warten die Autos auf ihre Abfertigung. Neben der Strasse gibt es einen abgetrennten Weg für die vielen Fußgänger, die ebenfalls zwischen den Ländern hin und her wechseln (vielleicht zur Arbeit?).

und auf dem Hof des Restaurants auf dem Gelände steht – derzeit inmitten von Baumaterialien – die einzige öffentlich ausgestellte Statue von Lenin auf dem Baltikum, die früher im Stadtzentrum war:

Nachdem wir den Grenzübertritt geschafft hatten, sind wir gestern weiter nach Velikij Novgorod gefahren. Ich hatte ja noch über Ebay eine spezielle Speicherkarte mit den Strassen Russlands für unser Navi besorgt, und es funktionierte tatsächlich, was mich sehr erleichterte. Wir hatten keine gedruckte Strassenkarte bekommen, auch in Estland nicht, und hätten uns sonst mit Google Maps in offline-Fassung behelfen müssen.

Erst ging es eine Weile Richtung St. Petersburg, aber dann bogen wir ab nach Südosten und es ging über Land. Anfangs sah das eher bedenklich aus mit längeren Strecken schlechter Strasse und vielen Schlaglöchern, aber das wurde dann deutlich besser und meist waren die Strassen sehr gut. Es war wenig Verkehr, nur ganz selten kam mal ein anderes Auto, und ich bin sicher, ein Bielefelder Mercedes ist hier noch nie lang gefahren..

Wälder und Wiesen waren vorherrschend, oft kilometerweise kein Ort, dann mal ein paar Häuschen und schon waren wir wieder durch. Die russischen Dörfer haben mir gefallen, die Holzhäuser waren meist angestrichen, durchaus auch mal rot oder blau, so etwas gibt’s bei uns ja nicht. Alle Häuser hatten Gärten mit Gemüseanbau, offensichtlich also Selbstversorgung mit den Lebensmitteln.

Beeindruckend war auch, dass an sehr vielen Strecken zumindest im ersten Teil der Fahrt – etwa bis zur Stadt Лу́га (Luga) – am Strassenrand und auch grossflächig auf angrenzenden Gebieten Tausende meterhohe Pflanzen des Riesen-Bärenklau (auch Herkuleskralle genannt) standen, der bekanntlich erheblich gesundheitliche Schäden an der Haut auslösen kann. Hier waren das soviele Stauden, das eine Bekämpfung wohl ganz aussichtslos ist; ich schätze, hier wissen alle Menschen Bescheid und passen auf.

Mit Verspätung von einigen Stunden erreichten wir dann gegen 22.00 Uhr unser Ziel in Novgorod, wo uns Jakov, der Vermieter und seine englischsprechende Freundin noch erwarteten. Das Apartment liegt im 3. Stock eines ziemlich heruntergekommen aussehenden Wohnblocks mit doppelt gesicherten Türen und verwahrlostem Treppenhaus, ist dann selbst aber ganz nett und modern eingerichtet. Mal sehen, wie wir von hier aus die Stadt erkunden können.

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