Rund um den Nowgoroder Kreml

Wir schlendern durch Weliki Nowgorod (übersetzt große Neustadt), um uns ein Bild über die Partnerstadt von Bielefeld (seit 1987) zu machen. Nowgorod ist eine der ältesten russischen Städte. 2009 feierte sie ihr 1150-jähriges Bestehen. Lange, sehr lange war sie selbständiger Stadtstaat und von großer Bedeutung für den Handel mit dem Westen. Die Stadt gehörte zu den bedeutenden Hansestädten. Erst  um 1700 ging der Einfluß zugunsten der Stadt Sankt Petersburg zurück.

Heute hat die Stadt ca. 210.000 Einwohner und keine große wirtschaftliche Bedeutung mehr, aber laut einer Erhebung aus dem Jahre 2010 gehört sie zu den lebenswertesten Städte Russlands. Über die wechselvolle, oft auch etwas gruselige Geschichte ist im Internet viel nachzulesen. Hier verzichte ich auf die Darstellung.

Wie immer in einer neuen Stadt zuerst zum Touristenbüro. Dort treffen wir auf eine ältere, sehr reiselustige Nowgoroderin. Sie spricht deutsch und kann unsere Fragen wunderbar übersetzen. Wir sprechen noch eine Weile über die schönsten Reiseziele die nicht so teuer sind. Deutschland ist zwar sehr schön aber zu teuer für die Russin. Nebenbei bemerkt sie, das Bielefeld eigentlich nichts besonderes ist. Das stößt mir als Lokalpatriotin zwar etwas bitter auf aber, verglichen mit ihrer Heimatstadt, hat sie recht. Wir empfehlen Albanien. Was für ein angenehmer Anfang hier in Nowgorod.

Mitten durch die Stadt fließt der Wolchow und die Nowgoroder leben mit diesem Fluss in einer Weise, wie wir es auf dieser Reise noch nicht erlebt haben. Direkt am Fluss liegt der Nowgoroder Kreml und wir haben uns den ganzen Tag um ihn herum bewegt. Die Anfänge dieses Kremls kommen aus dem 11. Jahrhundert. Als Kreml wird eine russische Zitadelle bezeichnet. Eine mächtige Ziegelsteinmauer, vollständig erhalten bzw. wieder aufgebaut, umgibt den Nowgoroder Bau. Den Kreml selber besichtigen wir erst an einem der nächsten Tage.

Als erstes fielen uns Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters auf, die irgendwie besonders gekleidet waren. Viele hatten Schärpen mit goldenen Aufschriften oder den russischen Nationalfarben, Mädchen trugen weiße Schürzen und riesige Schleifen im Haar, manche hatten Blumen oder Luftballons. High Heels bei den jungen Frauen und dunkle Anzüge bei den jungen Männern waren die Norm.

Alle strebten zum großen Leninplatz. Heute war hier in Nowgorod der letzte Schultag vor dem langen Sommer und diejenigen, die ihre Schule beenden, wurden offensichtlich besonders geehrt. Auf dem großen Platz wurden Reden gehalten, eine Kapelle spielte, es wurde Walzer getanzt und kleine Aufführungen präsentiert.

Zum Schluss stiegen die weißen, blauen und roten Ballons in den Himmel.

 

Weiter gingen wir  um die hohe Mauer herum, auf der Flußseite liegt die „Badeanstalt“. Hier ist ein kleiner Sandstrand aufgeschüttet und viele sonnten sich da. Die Liegewiese ist nicht abgegrenzt und geht hoch bis zur Mauer. Einige unerschrockene Kinder sprangen auch schon ins Wasser. Das Flußwasser sieht allerdings nicht besonders vertrauenserweckend aus. Es ist braun wie Dunkelbier und sicher noch kalt. Es gibt mehrere Beachvolleyballfelder mit Tribünen. Hier werden auch Turniere ausgetragen.

Dem Kreml gegenüber, an der Rechten Flußseite, mit einer neuen Brücke verbunden, liegt die Handelsseite. Auf der Brücke kann wer will eine weiße Pferdekutsche mieten und sich etwas herumfahren lassen.

Wir sind dann noch mit einem Ausflugsboot in der Abendsonne eine Weile auf dem Fluss gefahren. Es ging bis zum großen Ilmensee, aus dem der Wolchow entspringt; er mündet in den Ladogasee bei Sankt Petersburg. Der Fluß ist breit, immer wieder zeigen sich auch Überschwemmungsbiete. Bei strahlendem Sonnenschein ein wunderbares Erlebnis. Da gibt es die nächsten Tage noch viele spannende Dinge zu entdecken.

 

Die Menschen hier nutzen den Fluß, sie leben mit und an ihm, an vielen Stellen wurde sonnengebadet und gegrillt, selbst unter den Mauern des ehrenwerten St. Georgskloster (Jurjew-Kloster), das immerhin seit 1030 besteht und zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, stiegen Rauchwolken vom Grill auf. Das hat uns sehr gefallen, es wirkte so unkompliziert, frei.

Ich bin sehr zufrieden, dass wir uns entschieden haben, auch Nowgorod zu besuchen. Es gefällt mir hier sehr.

(Karl:) Abends haben wir dann im Apartment gegessen, weil wir uns in einem kleinen Restaurant am Fluß geräucherten Fisch (natürlich aus dem Fluß!) gekauft hatten. Im Supermarkt neben unserer Wohnung besorgten wir uns ein paar zusätzliche Kleinigkeiten, und ich kaufte eine Flasche Rotwein aus Abchasien! Ich wollte ja schon länger nach Georgien auch wegen des des angeblich tollen Weines, und hier bekam ich ihn (Abchasien gehört ja völkerrechtlich zu Georgien), hat sich aber für autonom erklärt und wird sehr stark von Russland protegiert und finanziert. Sei’s drum, der Wein war mit der Teuerste im Supermarkt (500 Rubel = 7 €) und hat sehr gut geschmeckt:

 

 

 

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Mechthild Verfasst von:

2 Kommentare

  1. Martina Tiltmann
    25. Mai 2018
    Antworten

    Ihr Lieben, Martina war 1990 mit einer Delegation der Stadt Bielefeld mit dem damaligen Oberbürgermeister David eine Woche dort und schwärmt noch heute davon. Danach ging es nach Petersburg/Leningrad.
    In Erinnerung verfolgen wir Euere Reisen jetzt.
    Alles Gute!!

  2. Mechthild
    26. Mai 2018
    Antworten

    Leider hat der Verein Bielefeld Nowgorod auf meine Anfrage nach Informationen nicht reagiert. Wenn ihr also noch eine Empfehlung für uns habt, nur her damit.
    Euch auch einen schönen Urlaub
    Mechthild

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