Eremitage!

heute, am ersten ganzen Tag in Petersburg, wollten wir eigentlich die Peter-Paul-Festung besuchen, wo Sankt Petersburg mal gegründet wurde, aber weil die dortigen Stätten mittwochs geschlossen sind, fuhren wir mit der Metro zur Admiraltejskaja und gingen von dort zum Schlossplatz vor dem Winterpalast. Interessanterweise war der Weg dorthin ab der Metro auch als Platz ausgeschildert, auf dem die FIFA ein Fan-Fest veranstalten will. In wenigen Tagen beginnt ja die Fußball-Weltmeisterschaft, und in Sankt Petersburg werden auch Spiele stattfinden! Schausteller, Musiker, die üblichen vergoldeten oder versilberten menschlichen „Statuen“ weisen schon den Weg zur Emeritage, die wir heute besuchen wollen.

Von der Eremitage, diesem weltberühmten Museum, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes der Innenstadt von Sankt Persburg, hat wohl jeder schon mal gehört. Sie besteht insgesamt aus fünf Teilen, die ineinander übergehen, wenn man das Ticket für den Gesamtkomplex kauft (700 Rub.). Winterpalast, Kleine, Große und Neue Eremitage und das Eremitage-Theater bilden einen Komplex am Ufer der Newa. Beim Einlass wird scharf kontrolliert wie am Flughafen mit Rucksack-Scan und Metalldetektor. Alle Flaschen mit Mineralwasser u.a. müssen ausgepackt und vor dem Einlass zurückgelassen werden, Gepäck gehört in die Garderobe (kleiner Cloak room für 1400 Personen, großer Cloak room für 3700 Personen!!).

Es gibt Gebäudepläne in den Hauptsprachen, nach denen man sich orientieren kann. Wir lassen uns mehr treiben, zumal wir auch von der Größe des Gebäudes und der gewaltigen Fülle der ausgestellten Bilder und Skulpturen (60.000 ausgestellte Werke!) rasch sehr beeindruckt sind. Wir sehen das Malachit-Zimmer,

die berühmte goldene Pfauen-Uhr

Dutzende von oft riesigen Bildern in angenehm passenden riesengroßen Räumen, lange Gänge, die alle architektonisch verschieden gestaltet sind,

und suchen dann gezielt die Räume mit besonders berühmten Kunstwerken auf. Hierzu gehören Rubens,

Cranach d. Ältere

da Vinci (Bilder hinter Glas, lassen sich schlecht fotographieren).

Wie nicht anders zu erwarten, konzentrieren sich die Besuchergruppen – sehr viele asiatisch – auf eben diese Kunstwerke mit entsprechendem Gedränge; dies ist ja in allen berühmten Museen der Welt so. Nach meinem subjektiven Eindruck scheinen die asiatischen Gruppen auch eine besondere Vorliebe für nackte Frauen zu haben.

Die Stunden vergehen, man kann da unendlich viel ansehen, immer wieder verläuft man sich und muss eine der Aufseherinnen fragen, wo man eigentlich ist und wo dies oder das Werk ist. Es ist völlig illusorisch, sich alles ansehen zu wollen. Es gibt eine Menge Personal,

in jedem Raum ist mindestens eine Frau zuständig (meist erkennbar an grüner Jacke und Wappen), zusätzlich gehen weitere Aufsichtspersonen durch die Räume. Alle sind informiert, geben gerne Rat, sprechen alle zumindest rudimentär Englisch.

An manchen Stellen fällt uns auf, dass doch auch Renovierungsbedarf besteht (Fensterrahmen, Zustand der großen Gobelins), und es ist dann auch aus Internet und Führern zu erfahren, dass die Eremitage erhebliche finanzielle Probleme hat, und nach den Sanktionen der EU und der USA gegen Russland mußten die Gehälter der Bediensteten gekürzt werden.

Wir vermißten dann noch moderne Künstler wie Picasso, und lernten dann, dass diese Werke gegenüber vom Winterpalast im Gebäude des Generalstabs untergebracht sind. Das ist ein beeindruckendes Gebäude mit alter Fassade aber hochmodernem Inneren. Eine ganz andere Atmosphäre als drüben, viel weniger Leute, viel Platz, sehr entspannend. Alle berühmte Maler sind vertreten, die französischen Impressionisten sind hier fast so zahlreich vertreten wie im Louvre.

Hier ein paar Beispiele:

Degas

Cezanne

Gauguin

natürlich Picasso (mit mehr als 30 Bildern in 3 Sälen!)

van Gogh

und noch viele weitere. Alle hatten einen eigenen Raum, alle waren ganz aus der Nähe zu betrachten (bis auf extreme Besonderheiten wie die beiden da Vinci Werke). Einfach toll, und noch nie in meinem Leben habe ich mehr als 2 Stunden in einem Museum verbracht. Und ich will sogar noch mal dahin, weil ich vieles noch gar nicht habe sehen können!!

Ich habe mir dann aber auch Gedanken darüber gemacht, wo die Bilder alle hergekommen sind. Bei den meisten stand eine Bemerkung etwas des Inhalts „from the former collection of…“. Ein Name, der wiederholt auftauchte (z.B. bei dem Absinth-Trinker von Picasso), war Otto Krebs. Und hier ist die Recherche recht einfach mit Wikipedia: dieser deutsche Fabrikant hatte eine große Sammlung zusammengetragen, und diese ist von der Roten Armee nach dem Krieg in die Sowjetunion transportiert worden. Wie sehen also in dieser Ausstellung schlicht und einfach „Beutekunst“! Ob die Sammler mit russischem Namen, die auch erwähnt werden, ihre Bilder freiwillig hergegeben haben, bezweifle ich im Moment, will aber mal nachforschen.

 

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