Zagreb

in strömendem Regen Abfahrt aus Banja Luka, in strömendem Regen Einfahrt in Kroatien, in strömendem Regen auf der Autobahn in Richtung Zagreb. Ich wußte gar nicht, dass es die Eisheiligen (heute ist die „kalte Sophie“) auch hier auf dem Balkan gibt. Naja, jedenfalls hörte der Regen in Zagreb endlich auf, allerdings blieb es noch empfindlich kalt.

Regen Banja Luka

Wir haben uns jetzt ein Luxus-Apartment geleistet am Randes des Zentrums von Zagreb, in der Nähe von Straßenbahnlinien, die wir dann gleich ausprobierten. Nach vier Stationen sind wir mitten im Zentrum in der Nähe der Kathedrale. Aus nicht so weiter Entfernung dröhnt schon in ziemlicher Lautstärke Musik, aber wir machen erst einen Schlenker in Richtung alter Stadt und stehen auf einmal mitten zwischen Ständen, die rein italienische Lebensmittel anbieten. Wir kaufen eine dicke Scheibe vom gegrillten Schwein, sicher 1kg schwer, aber es hat beim Probieren so lecker geschmeckt, das mußte sein. Ein geräucherter Scamorza kam dazu, das kann man doch in den nächsten Tagen so zwischendurch verputzen.

Schwein ital.

Auf dem Trg (das bedeutet „Platz“) bana Josipa Jelačića mitten in der Stadt sahen wir dann die Quelle der lauten Musik: eine große Bühne war aufgebaut, ein gemischter Chor sammelte sich, eine Rockgruppe mit Schlagzeug, Gitarren, Blechinstrumenten war schon teilweise besetzt, aber vor zwei riesigen Leinwänden war schon eine tolle Sängerin aktiv, nämlich Irina Levak mit ihrer Gruppe Colonia. Wir bekamen dann heraus, dass es wohl ein Wohltätigkeitskonzert für Vukovar war. Vukovar ist eine kroatische Stadt ganz im Osten des Landes dicht an der Grenze zu Serbien, sie war im letzten Krieg von den serbischen Truppen weitgehend zerstört worden.

Colonia2 Colonia

Um der Lautstärke etwas zu entgehen (aber die Musik war toll!) setzten wir uns in ein Kavana (Cafe) dicht am Platz und fühlten uns auf einmal nach Wien versetzt. Die ältere Bedienung sprach deutsch, es gab Kaffee mit Schlagrahm, Kuchen, die Einrichtung paßte auch: im Vergleich zu den bisherigen Ländern und Städten, in denen wir waren, kamen wir uns wie in einer anderen Welt vor, nichts mehr vom Balkan, jetzt sind wir in Mitteleuropa. Und Spuren der habsburgischen Zeit finden sich an den Gebäuden überall (hierzu werden wir in den nächsten Blog-Beiträgen sicher noch mehr berichten).

Funicular Unterstadt Herrengasse

Mit der berühmten Seilbahn Funicular fuhren wir dann hoch in die Altstadt (keine Sorge, die Seilbahn ist nur 66m lang und benötigt 55sec, um die 30m Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterstadt zu bewältigen. Sie ist im übrigen die kürzeste Drahtseilbahn für Passagiere der Welt!) und besuchten das Muzej Prekinutih Veza, das Museum der zerbrochenen Beziehungen. Dieser ungewöhnliche Titel lockte schon viele (meist junge) Leute an, und in wenigen Räumen waren persönliche Gegenstände von Menschen aus allen möglichen Ländern ausgestellt mit begleitenden Texten der ehemaligen Besitzer dieser Gegenstände in kroatisch und englisch. Da war ein Scheckbuch, zu dem die Besitzerin die Geschichte ihrer gescheiterten Ehe beschrieb, da war ein Paar rote Highheels, ein Geschenk eines ehemaligen Liebhabers, da war ein echter kurzer Abschiedsbrief einer holländischen Mutter an ihre Kinder vor ihrem Suizid – alles sehr persönlich, bewegend, berührend, unbedingt anzusehen!

Danach mit Straßenbahn zurück ins warme Apartment. Erster Eindruck von Zagreb: toll! Sollen wir noch länger als 3 Tage bleiben?!

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Karl Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. zotti
    16. Mai 2016
    Antworten

    Ihr Lieben,
    Eure Reise klingt sehr spannend, und definitiv zu nass!
    Sonnige Tage und gute Erlebnisse wünschen Euch Grete und Zotti

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