zum Skararsdo jezero (Skutari-See)

nachdem es gestern meist geregnet, geblitzt und gedonnert hat, ist heute Morgen der Himmel aufgeklart, die Sonne zeigt sich, Zeit, um weiterzufahren. Wir wollen nach Virpazar am Skutari-See. Das ist nicht weit weg, und weil wir die bergige Landschaft so lieben, fahren wir nicht an der Küste hoch und dann auf die Schnellstrasse sondern „anders herum“, d.h. erst in Richtung Albanien und kurz vorher links hoch in die Berge Richtung See.

AnreiseAnreise2

Wie nicht anders zu erwarten war das Wetter hinter den Bergen anders als am Meer, d.h. es regnete dann teilweise in Strömen. Die Strasse war recht eng, wand sich in alle Täler, immer wieder gab es kleine seitliche Ausweichbuchten, falls es Gegenverkehr gab. Den gab es fast gar nicht, nur einmal und dann im heftigsten Regen an einer Stelle, wo es keine Ausweichbucht gab! Das war nicht einfach, wie man sich vorstellen kann. Der entgegenkommende (kleinere) PKW fuhr dann etwas zurück, ich drückte mich an ihm haarscharf vorbei, rechts war der Abgrund vielleicht 20-30cm von uns weg, es ging! Wow! Da waren wir doch erleichtert.

Auf der Strecke am Berghand am Rand des Nationalparks (Sees) ging es durch lichte Wälder, teilweise auch an Stellen vorbei, wo man m.E. die Reste früherer Waldbrände sehen konnte. Ganz wenige Häuser, wenige Menschen. Immer mal wieder sah ich am Wegesrand kleine muslimische Friedhöfe, vielleicht mit 30-50 Grabmälern, 200m weiter dann der nächste. Ds war eine ganz ungewöhnliche Sitte, zumal diese kleinen Friedhöfe ja auch recht weit weg waren von Besiedlung. So etwas habe ich noch nicht gesehen.

Im weiteren Regen kamen wir dann wie geplant in der Mittagszeit in Virpazar an. Für die insgesamt etwa 60km haben wir ca. 3 Stunden gebraucht (wobei auch dieses manchmal blöde Navi wieder mal uns erst auf einen Weg schickte, der uns durch das Gebirge zurück ans Meer geführt hätte. Ich habe ja schon letztes Jahr geschrieben, dass man zu einem Navi unbedingt zusätzlich gute papierne Strassenkarten braucht, um diese Maschine zu kontrollieren und gegebenenfalls zu korrigieren).

Virpazar Virpazar2

Unser Appartment ist ganz nett, hat Platz ge nug für ein paar Tage, kann geheizt werden, vom Balkon können wir auf einen Arm des Sees blicken, wo viele alte und neue Schiffe liegen. Jetzt, wo ich diesen Beitrag schreibe, sind draußen zahlreiche Frösche aktiv, aber das ist doch auch mal ein anderes Geräusch als Meeresrauschen oder Verkehrslärm.

Hotel

Virparaz ist ein ganz kleiner Ort, hat wohl nur 500 Einwohner, lebt vom Fischfang und den Touristen. Er hat aber eine lange Geschichte, ist schon seit dem 13. Jahrhundert bekannt, und einige für die Landesgeschichte bedeutsame Ereignisse fanden hier statt: der Aufstand gegen die osmanische Herrscher begann hier und im 2. Weltkrieg (genauer 13.7.1941) begann hier der Kampf der jugoslawischen Partisanen gegen die italienischen Besatzer. Ein großes Monument an der Brücke im Dorf erinnert hieran, und der Tag ist Nationalfeiertag in Montenegro.

Denkmal

Der Skutarisee ist das größte Binnengewässer auf dem gesamten Balkan und berühmt für die zahlreichen Pflanzen-, Fisch- und Vogelarten. Mitten durch den See geht die Grenze zu Albanien, und der montenegrinische Teil ist zum Nationalpark erklärt worden. Große Teile des Sees sind von Vegetation bedeckt. Wir werden übermorgen eine Bootsfahrt auf den See machen, auch um die berühmten Pelikane zu sehen (der See hat eine der letzten europäischen Pelikan-Kolonien). Hoffentlich sind welche da. Heute im Hotel Pelikan beim Abendessen haben wir die Fahrt gebucht. Einige Schiffe fahren auch jetzt in der Vorsaison, es sind aber wenige Touristen da bzw. immer nur für kurze Zeit (es kommen dauernd Busse mit Ladungen von Menschen aus Montenegro, Albanien oder Bosnien, diese werden „ausgespuckt“, machen schnell ein paar Photos, gehen in ein Restaurant, essen lokale Spezialitäten und fahren wieder).

Morgen soll es besseres Wetter geben, wir wollen mit der Eisenbahn in die Hauptstadt Montenegros fahren, nach Podgorica.

 

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Karl Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. Kurt
    25. April 2016
    Antworten

    Im September 1978 war ich auch mal da. Um Pelikane zu fotografieren. Leider hatte es geregnet – und Pelikane waren auch keine da. Aber eine ganz besondere Landschaft: Berge, Seen, Flüsse, Sümpfe – nur keine Pelikane. Hoffentlich habt ihr mehr Glück.

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