der Tag der Fehler

und wie dann doch alles anders aber auch gut wurde.

Früh losfahren scheint eigentlich nicht erforderlich. Der Kosovo ist nahebei. Aber wir werden die Zeit brauchen.

Es ist ein kühler Tag. In der Nacht hat es geregnet und gewittert. Karl möchte gerne noch einen muslimischen alten Friedhof anschauen und die Straße dorthin führt lt. Karte strack geradeaus auch in den Kosovo.

Mus friedhof 1 mus Friedhof 2

Das Navi wills nicht glauben und zeigt uns einen anderen Weg; wir ignorieren es. Eine meiner Fähigkeiten, sagt meine Tochter: „einfach wegignorieren“, das kann ich. Sie denkt dabei aber an kleine körperliche Befindlichkeitsstörungen. Wir arbeiten mit verschiedenen Karten parallel zu unserem Navi. Die Hauptkarte zeigt keine Grenzübergänge zwischen Serbien und dem Kosovo. Wir fahren also auf der kleineren Straße immer weiter, immer höher, die Serpentinen kennen wir ja schon vom letzten Jahr und wir wissen, der Balkan hat viele Berge. Dann werden die Straßen immer schlechter. Es sind richtige Karlstraßen: aufgerissene Teerdecken, an Berghängen abgestürzte Teile der Straße, Steinschlag, Schlaglöcher, Pfützen unklarer Tiefe. Nach 13 – 14 km erreichen wir einen punkt, wo zwei serbische Grenzsoldaten sich gerade ein kleines Lagerfeuer gemacht haben, um sich zu wärmen (es sind auch nur 1,5 Grad!). Sonst steht da nur ein kleiner Personenwagen. Kein Zaun, kein Haus, nichts. Es ist die Grenze, aber leider kein offizieller Übergang, der ist nördlich von Novo Pazer bei Razska, wir dürfen nicht weiter und müssen umkehren!

Zurück, den ganzen Weg über Serpentinen, Karlstraßen, durch kleine Dörfer. Die Landschaft ist wunderschön. Es ist zwar kalt aber klar und die grünen Berge und die kleinen Dörfer sind ein erfreulicher Anblick. WIr müssen den Grenzübergang nützen, an dem wir gestern irtümlich schon mal waren. Na, dann können wir ja schauen, wie weit die Baustelle mit dem Bergfresser gediehen ist. Diesesmal müssen wir an der Baustelle nicht lange warten. Der Fels ist noch weiter abgetragen.

Baustelle Genze 2 1 Baustelle Grenze 2 2

Dann der Grenzübergang zum Kosovo. Die Serben lassen uns durch. Bei den Kosovaren ist das anders. Sie erklären mir, dass mein Personalausweis nicht ihren Anforderungen entspricht. Ich brauche einen Ausweis mit einem RFID-Chip oder eben einen Pass wie Karl ihn hat. Ich wusste, die Kosovaren akzeptieren nur die neuen Ausweise. Meiner ist aber doch neueren Datums! Es reicht nicht, der Chip mit den biometrischen Daten fehlt. Ich kann nicht einreisen. Erläutert wird mir das auf Englisch von einem netten Übersetzer. Ihm zur Seite steht ein schwedischer Polizeibeamter, der im Rahmen der EULEX Mission der EU hier die Kosovarischen Grenzer unterstützt. Alle sind sehr nett. WIr schwatzen über unsere Reise, das schöne Deutschland, den Einsatz an der Grenze. Wärend dessen füllt der Grenzbeamte ein mehrseitiges Formular aus, das den Serben beim erneuten Grenzübertritt erläutern soll, warum ich abgewiesen wurde. Jeder bekommt ein Exemplar, allgemeines Bedauern darüber, dass es nicht anders geht:  die Gesetze sind nun mal so. Genau. Und wenn ich sie nicht beachte, kann ich nicht einreisen. So ist das.

Wir drehen, trinken in einem der nächsten Orte ein Wasser und essen jeder einen Salat und machen neue Pläne.

Wenn nicht Kosovo, dann eben gleich nach Montenegro und die „gewonnene“ Zeit für einen verlängerten kleinen Zwischenstop an der Adria vielleicht? Wir wollen jetzt nach Montenegro rein, aber dann nicht sehr viel weiter fahren. Die Grenzregion ist atemberaubend schön. Schroffe Felsen, klare Bäche, bewaldete hohe Berge.

Natur Montenegro 1

Der erste größere Ort hinter der Grenze in Montenegro heißt Rozaje. Einer der Orte, die unter dem Zusammenbruch des Wirtschaftssystems noch immer sehr leiden, Fabrikruinen, hohe Arbeitslosigkeit, kaum Zukunftsperspektiven. Nur der Wintertourismus bringt etwas Geld.

Fast hätten wir wieder in einem dieser Monsterhotels aus der Jugoslavischen Zeit geschlafen, aber das Hotel Rozaje steht leer. Ein Passant meint, es habe einem Mafiaboss gehört, der jetzt vor Gericht stünde, und die Stadt habe es geschlossen. Ein anderer Mann, den wir im Cafe kennenlernen, meint, das mit der Mafia wisse man nicht, der Besitzer sei jedenfalls freigesprochen worden und werde vielleicht im Sommer das Hotel eröffnen. Ich (Karl) habe den Eindruck, dass er beim Thema „Mafia“ zurückhaltender und vager wird, während er sonst ganz offenherzig mit uns plaudert, von seinem Geschäft (Druckerei) berichtet und erzählt, dass er in Hamburg gelebt habe.

 

Hotel Monte. Rozaje 2 Rozsje Hotel

Der Spaziergang durch den Ort zeigt uns auch schöne Seiten und wir treffen noch mehrere Männer, die in Deutschland gearbeitet haben und gerne mit uns Deutsch sprechen.

Rozsje 1 Rozsje 2 Rozsje 3

Wir sind in einem kleinen billigen Hotel untergekommen (10 € pro Person) und krönen den Tag mit tollen Cevapcici. Lecker!

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Mechthild Verfasst von:

2 Kommentare

  1. Christine
    21. April 2016
    Antworten

    Endlich schaue ich mal wieder bei Euch rein…! Ist ja mächtig erlebnisreich! Die Bilder zu diesem Beitrag (Landschaft) gefallen mir auch sehr gut. Man kann es sich richtig vorstellen…
    Gute Weiterfahrt!
    Christine

  2. Christine
    21. April 2016
    Antworten

    Gar nicht so einfach mit solchen Medien umzugehen…
    Aber ich versuch’s weiter!

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