Unsortierte Gedanken über Mazedonien

Was haben wir erlebt in Mazedonien, was hat Eindruck gemacht, was war bemerkenswert und was ist uns komisch vorgekommen?

Die Reiseroute:

Mazedonienkarte

Aktuelle soziale Lage?
Wie in Bulgarien auch haben wir verschiedentlich mit mazedonischen Menschen über ihre Sicht der Dinge gesprochen. Es gibt ein großes Problem für junge Leute, eine ihrer Ausbildung angemessene Arbeit zu finden. Wir wissen, auch aus Mazedonien emigrieren viele Menschen in die reicheren europäischen Länder, um für ihre Familien zu sorgen und / oder für sich selbst aktiv eine Perspektive zu gestalten.

Die kleineren Städte und das Land sehen nicht sehr entwickelt aus. Die großen Verbindungsstraßen sind zwar in recht gutem zustand und an einigen Stellen werden, mit Hilfe der EU, neue Straßen gebaut, viele kleine Straßen sind demgegenüber in einem deutlich schlechteren Zustand.

Überall liegt Müll herum, besonders die kleinen Plastiktüten, von denen man bei jedem Einkauf ganz selbstverständlich immer gleich mehrere bekommt. In den Straßen der Städte wird regelmäßig mit Besen und Schaufel gesäubert. Es gibt auf dem Land auch hier viele verlassene Häuser und leere Wohnungen. Dem gegenüber sehen wir aber auch neue frisch gestrichene Häuser. Es gibt eine sehr ungleichzeitige Entwicklung. Wir hören, dass Arbeitsplätze manchmal nicht nach Qualifikation, sondern nach Beziehungen vergeben werden. In Ohrid z.B. haben wir einen Ingenieur getroffen, der als Kellner arbeitet und nebenbei mit einem Boot Gäste über den See fährt. Es reicht ganz knapp um seine kleine Familie zu ernähren. Es gibt keine große Hoffnung, dass sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt bessern wird. In den Gegenden, die wir besucht haben, stand immer der Tourismus als Einkommensquelle im Vordergrund.

Besonders bedrückend waren die Begegnungen mit den Roma. Etwas unter 3 % der Bevölkerung bezeichnen sich als Roma und das Land hat offensichtlich keinen Erfolg mit der Integration dieses Teils seiner Bevölkerung. Bei der Überlandfahrt sehen wir erbärmliche Hüttenansammlungen, Romalager. Besonders in der Hauptstadt gibt es sehr viele Kinder und Mütter, die betteln. Wir haben absichtlich davon keine Fotos gemacht.
Europa und die Mazedonische Frage

Richtig nachgegangen ist uns die „Mazedonische Frage“. Alle Mazedonier waren stolz auf ihr Land und es war allen immer klar, dass die Eigenständigkeit von Mazedonien nicht selbstverständlich ist. Von vielen Seiten wird gezerrt. Allen ist sehr präsent, das Mazedonien über die Jahrhunderte ein Spielball der jeweiligen herrschenden Mächte in Europa war. Die jetzigen Grenzen sind künstlich festgelegt. Ein Land, dass formal immer noch im Namen „Former Yugoslav Republic of Macedonia“ (FYROM) führen muss, wird auch immerzu daran erinnert.

Griechenland zerrt an Mazedonien. Es findet, daß der Name Mazedonien nur für den nördlichen Teil Griechenlands gelten soll, sie nennen das Land durchaus verächtlich „Republik Skopje“. Bislang blockiert Griechenland damit die Aufnahme in die EU. Die wirtschaftlichen Daten stimmen auch noch nicht; das Land erfüllt noch nicht die ökonomischen Kriterien, aber das emotionale Problem, die mangelnde grundsätzliche Akzeptanz steht im Vordergrund und erzeugt wahlweise Wut, Zorn oder Enttäuschung. Letztlich musste z.B. die Fahne mit dem 16strahligen Stern in die Sonne umgewandelt werden. Auf dem Foto oben sieht man beide Fahnen. Der 16strahlige Stern wird noch verkauft, und ich habe den Verkäufer sehr erfreut, als ich sie wollte und habe sogar noch einen Kuli dazu bekommen.

In der Tat leben viele Menschen, die sich als Mazedonier verstehen, in den angrenzenden Ländern. Mazedonien ist irgendwie nicht vollständig und die Existenz ist fragil, diesen Eindruck haben uns die Menschen vermittelt, mit denen wir darüber gesprochen haben. Sie sehen als wichtige Garanten für ihre Existenz die NATO und die EU und wollen dringend vollwertiges Mitglied werden.

In Mazedonien selber leben allerdings auch größerer Gruppen von Albanern, mit denen es auch erhebliche Schwierigkeiten gibt. Die letzte Volksabstimmung im Oktober 2011 wurde abgebrochen, weil die Aktualisierung des Konfliktes zwischen den beiden ethnischen Gruppen befürchtet wurde, als sich andeutete, dass es Regionen (im Norden und Westen) gibt, in denen Albaner die Mehrheit stellen.      ,

In der Hauptstadt Skopje ist alles anders. Hauptstädtisch eben, obwohl die Stadt gerade mal 500 000 EW hat. Skopje 2014 hat die Stadt sehr verändert. Sie ist richtiggehend zugestellt mit Statuen alter und neuerer berühmter Männer. Frauen kommen meist nur als Göttinnen und Mütter von Helden vor. Sicher hatte die Stadt nach dem zerstörerischen Erdbeben 1963 einen Nachholbedarf an gestalterischen Elementen. Die jetzige Lösung gefällt mir aber gar nicht. Es wurde auf altertümliche Formensprache zurückgegriffen und die neuen Ansätze, schnell nach dem Erdbeben realisiert wie z. B. das Postgebäude, sind nicht stilbildend geworden und jetzt ungepflegt. Die Einwohner von Skopje mit denen wir darüber gesprochen haben sind in der Mehrzahl sehr kritisch eingestellt. Hier findet sich ein kritischer Spiegelartikel der die unhaltbare Wohnsituation der Studierenden in Skopje anprangert.

Wie haben wir uns verständigt?

Mit unserm Englisch sind wir gut durchgekommen. Immer gab es Menschen, die uns sehr freundlich zurechtgeholfen haben.

Basare

In Mazedonien haben wir in fast jeder Stadt Basare gefunden, Dort werden Gewürze, Käse, Gemüse und Obst, überwiegend aus heimischer Produktion und alles mögliche andere verkauft. Sehr exotisch und spannend.

Was gibt es zu essen?

Dass Shopska Salat keine bulgarische Speise ist, lernen wir in Mazedonien. Es gibt ihn offensichtlich auch hier. Und er schmeckt uns immer noch gut. Und gegrilltes Fleisch gibt es, und Aufläufe in Tongefäßen mit Fleisch, Bohnen und Tomaten. Mazedonien ist orientalischer als Bulgarien. Es gibt überall süße Baklava. Der Fisch kommt aus Griechenland, Mazedonien hat keinen Zugang zum Meer, aber die Seen und Flüsse sind fischreich; es gibt spezielle Forellen und auch Karpfen. Die mazedonischen Weine sind ebensogut wie die bulgarischen und der „Kurze“ heißt auch Raki. Und es gibt überall großartige Kebaps, kleine würzige Hackwürstchen mit Fladenbrot für wenig Geld.

Fazit:

Mazedonien hat uns für sich eingenommen. Es ist uns richtig gut gegangen da. Die Schönheit der Landschaft, die Vielfältigkeit seiner Landesteile, die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen, die alte Kulturlandschaft, alles das hat uns begeistert. Nachdenklich gemacht hat uns die politische Situation innerhalb des Landes und die Reaktion der Nachbarn. Von Korruption der Regierung(en) haben wir nur gelesen, in Skopje haben wir zumindest die merkwürdige Prioritätensetzung der öffentlichen Gelder bemerkt. Und die Armut und das Gefühl der Perspektivlosigkeit, das wir aus den Geprächen entnommen haben, wird uns nachgehen. Es geht nicht gerecht zu in Europa.

 

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Mechthild Verfasst von:

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