Bulgarien – Das Umland von Varna

Heute war ein Ausflugstag und er wurde unerwartet bei den letzten beiden Stationen auch tragisch / romantisch. Da war Carmen ein sehr gute Einstimmung. Auch in Bulgarien verknüpfen sich mit den historischen Orten oft Dramen.

Es ging nach Norden immer am Goldstrand entlang. Im Ergebnis über 30 km reiht sich eine Ferienanlage neben die nächste. Dazwischen Vergnügungen, die während des Badesommers Unterhaltung bieten. Auch hier sind nur wenige Hotels in Betrieb und Restaurants und Vergnügungsstätten fast alle geschlossen. Alles das lassen wir rechts liegen. Unser Ziel ist zunächst der älteste Badeort in Bulgarien: sv. sv. Konstantin e Elena,  Resort der heiligen Konstantin und Elena (sv. heißt sveti = heilig). Im Kloster mit diesem Namen (1908 eine Lungenheilstätte) begann das Vergnügen, das jetzt in den Sommermonaten zu einem großen Rummel geworden ist. Allerdings nicht Anfang April. Los geht es erst Ende Mai. Dieser erste Badeort hat nichts historisches mehr. Wir hatten uns mehr davon versprochen und fahren schnell weiter.

Die Strasse gen Norden ist übrigens in sehr gutem Zustand, sieht recht neu aus, so neu, dass manche Verkehrsteilnehmer ein Verbot bekommen (Trecker, Kutschen): Etwas abseits kann man aber manchmal sehen, dass Schlaglöcher (teilweise gefährlich tief) nicht rechtzeitig repariert werden konnten. Nun, dann legt man eben Zweige oder Äste drüber!

Varna uland 3 Straßenschild Kutsche

Aber ans Meer treibt es uns doch. Bei Zlatni Pjasaci fahren wir an den Strand und schauen ins Wasser. 14 Grad, ziemlich viel Wind und ganz viel Ruhe am Meer. Herrlicher weißer Sand auf dem breiten Strand.

Varna uland 2 Varna uland1

Weiter gehts Richtung Westen ins Hinterland. Bei Obrociste soll es ein Kloster geben, das, im 16 Jh. gebaut,  als Herberge für Muslime bei der Durchreise  nach Mekka gebaut wurde. Platz für 200 Pilger solle es gehabt haben. Karl liest die ganze Zeit Karl May und Hadschi Halef Omar war ja bekanntlich auch immer irgendwie auf dem Weg nach Mekka. Ich, Mechthild, stell mir dauernd 200 Pilger in einem Raum vor und bin ganz neugierig. Das Kloster versteckt sich ein bisschen vor uns. Wir fahren zunächst daran vorbei und wieder machen wir die Erfahrung, dass wir sehr freundlich behandelt werden, wenn wir fragen. Auch Menschen, die kein Wort Deutsch oder Englisch sprechen, tun ihr Bestes, um uns eine Richtung zu einem Ort zu zeigen, den wir auf der Karte zeigen (wir fahren ja ohne Navi).

Wir finden das Kloster, aber es wird gerade renoviert. Von der Herberge für die Pilger stehen nur noch die Grundmauern und der mächtige Kamin. Die Kirche, das Mausoleum (in der Mitte soll ein Sarkophag stehen), sind geschlossen und eingerüstet. Die Bulgaren verehren hier  den heiligen Atanas als Schutzpatron für ihre Haustiere. Ursprünglich aber war es ein Derwischkloster, dem Heiligen Ak Sakkali Baba gewidmet. Beides funktioniert hier zusammen an einem Ort. Ein schöner stiller Ort im Frühjahr.

Varna uland 4 Varna uland karl Varna uland Me

Und jetzt zu den Dramen:

Die Gegend um die Hafenstadt Balcik gehört von 1913 -1940 zu Rumänien, so war es im Friedensvertrag nach dem 2. Balkankrieg festgelegt. Die Rumänische Königin Maria war so verzaubert von dem Ort, dass sie hier um 1920 ein Schloss bauen und einen großen Garten anlegen liess.

Koenigin Maria Varna uland Maria Varna uland Maria 2 Varna uland Maria 4

Ein romantischer Ort voller Bedeutung und Symbolik. Und in einem bunten Sammelsurium von Baustilen. Maria liebte diesen Ort und ließ ihr Herz hier begraben. Schloss und Garten sind wichtige Orte für die Touristikbranche. Nirgendwo haben wir so viel Eintrittsgeld bezahlt wie hier und so viele, noch leere, Souvenirstände gesehen.

Varna uland 5

Kap Kaliakra war dann der Ort der großen Dramen. 40 junge Mädchen, so erzählt man sich, sollten im 14 Jh. für den Harem des Paschas abgegeben werden, anderenfalls würde die Festung auf dem Kap zerstört werden. Die 40 jungen Frauen banden sich an ihren Zöpfen zusammen und stürzten sich, 70 Meter tief, in Meer. Die Felsen sind heute noch blutig davon. Und es gibt ein großes Denkmal dazu.

Varna uland kap 2 Varna uland kap 3

Erst gab es hier ein griechische, dann eine römische Festung. Ruinen von beidem sind zu besichtigen. Und es soll auch noch irgendwo ein Schatz versteckt sein. Der Leibgardist von Alexander dem Großen, Lysimachnos ist an der Küste 323 v. Ch. mit seinem reich beladenen Schiff zerschellt.

Wirkliche Schätze finden die Birdwatchers. Bekannt ist das Kap ein wichtiger Beobachtungspunkt für Zugvögel. Unten im Meer, vom Kap beobachtbar, soll es auch Delfine geben. Wir haben keine gesehen.

An dieser Stelle gibt es noch weitere große Denkmale, deren Sinn sich uns nicht erschlossen hat.

Varna uland kap 4

Offensichtlich ist es aber ein weiterer wichtiger Ort für das Land, deswegen wurden wir auch auf der einzigen Strasse zum Kastell 300m vorher aufgehalten und mussten pro Person 2 LEV zahlen („a historical place!“). Wir waren fast alleine mit Meer und Wind und Sonne und Wasser und ein wenig Regen. Wunderbar. Aufregend auch: 20km weiter nördlich ist schon Rumänien, schräg gegenüber im Nordosten liegt die Krim, und angeblich mündet bei dem Kap ein geheimer unterirdischer Tunnel, über den die ehemalige UdSSR mit dem sozialistischen Bulgarien Nachrichten austauschte, ohne abgehört zu werden…In keinem Touristenführer ist übrigens erwähnt, dass der größte Geländeteil der Spitze des Kaps gar nicht betreten werden kann, weil es militärisches Gebiet ist und demzufolge abgesperrt!

 

 

Neueste Beiträge

Neueste Kommentare

Karl Verfasst von:

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert